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„Perfektion ist ein Märchen.“ Brian Fanzo

 

Anti Perfektionismus: Warum es besser ist, weniger zu wollen

Der Perfektionismus steckt in vielen von uns. Kein Wunder, bereits von Klein an lernen wir, korrekt innerhalb der Linien zu malen, dass eine Eins in der Schule das erklärte Ziel ist und dass stetige Verbesserungen erwünscht sind. Das Streben nach mehr und besser ist also schon früh angelegt und nicht zwangsläufig als schlecht zu bewerten.

 

Wir nehmen durchaus einiges an Erfahrung daraus mit und je nach Temperament formen diese frühen Erfahrungen unseren Charakter mit. Tugenden wie Fleiß, Sauberkeit und Korrektheit sind keine negativen Eigenschaften und so ist es auch als durchaus sinnvoll zu erachten, dass wir diese schon früh lernen und verinnerlichen. Ich denke sogar, dass diese frühe Prägung uns im späteren Leben behilflich ist. Nur wer den Ehrgeiz hat, Ziele zu setzen und erreichen zu wollen, wird sich auch für diese einsetzen.

 

Einen kleinen Nachteil hat das Ganze dennoch. Selten wird uns gesagt, wann genug ist. Es wird oftmals kein konkretes Ziel vorgegeben, sondern vielmehr wird impliziert, dass wir nach der Steigerung uns wieder weiter verbessern sollten. So erklimmen wir gefühlt eine niemals endende Treppe an Leistungsstufen, ohne Orientierung zu haben, wann wir ankommen. Ohne Ziel ist das auch nicht möglich, denn das konkrete Ziel gibt den Endpunkt an und schafft somit die Orientierung, die wir theoretisch brauchen.

 

In dieser Dynamik sehe ich u.a. die Ursache von Perfektionismus. Dabei ist perfekt ein idealer Zustand, der de facto nie erreicht werden kann und lediglich theoretisch existiert. Aus diesem Grunde fordert uns Perfektionismus auch so unheimlich viel Zeit und Energie ab.

 

Pareto weiß es besser

Mit der 80 / 20 Regel, auch Pareto Prinzip genannt, habe ich erst recht spät Bekanntschaft geschlossen. Vermutlich hätte es mir viel Zeit und Kraft erspart, wenn ich früher über das Bewusstsein verfügt hätte, dass erledigt besser als perfekt ist. Aber ja, darüber kann ich heute nur noch spekulieren.

 

Das Pareto Prinzip ist im Grunde eine ganz simple Erkenntnis. Und zwar geht es darum, dass 80 Prozent der Arbeit in 20 Prozent der Zeit erledigt wird. Für die restlichen 20 Prozent der Arbeit, welche den Perfektionismus widerspiegeln, benötigt man hingegen 80 Prozent der Zeit. Meines Wissens gibt es sogar wissenschaftliche Abhandlungen zu diesem Thema. Ich nehm es aber einfach mal als gegeben hin und glaube dem, was ich bei mir selber im Alltag beobachten kann. Spätestens wenn es ins Detail geht, wird die Arbeit zeitintensiv. Wissenschaftliche Studien muss ich dafür nicht führen. Es ist bei mir tatsächlich so und sicher kannst du das auch bestätigen.

 

Zudem machte mich ein früherer Arbeitskollege einst darauf aufmerksam, dass in den meisten Fällen die fehlenden 20 Prozent niemandem auffallen. Wir sprachen länger darüber, weil es ein wirklich interessantes Thema war.

 

Warum merkte niemand, wenn ich meinen Zeitaufwand um 80 Prozent reduzierte und 20 Prozent „schlechtere Arbeit“ ablieferte? Wir erklärten uns diesen Umstand mit 2 einfachen Antworten.

  1. Die restlichen 20 Prozent sind im Normalfall nur noch reiner Perfektionismus und dienen ausschließlich der Detailarbeit.
  2. Andere Menschen haben andere Ansichten davon, was gut, schlecht oder perfekt ist. Das heißt, wenn ich mit dem Thema vertraut bin, fallen mir womöglich kleinste Details sofort auf. Jemand, der nur das fertige Ergebnis sieht, ist meist von der Informationsdichte so „erschlagen“, sodass die Details gar nicht wahrgenommen werden.

 

Darüber hinaus ist es oftmals gar nicht sinnvoll den ersten Entwurf als perfekte Arbeit zu liefern, da meist noch Veränderungen vorgenommen werden, die deinen 80 prozentigen Zeitaufwand schnell überflüssig machen können. Man kann also durchaus sagen, dass Perfektionismus die Gefahr für ein Burnout steigern kann.

20 Prozent sind die Kirsche auf der Sahne

 

Meine damalige Einsicht, dass Perfektionismus nicht immer sinnvoll ist, auch wenn man gerne mit scheinbar perfekten Ergebnissen glänzt, hat sich auch in meinem selbstständigen Arbeiten bestätigt. Gerade, wenn du am Anfang von deinem Business stehst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich das eine oder andere noch ändern wird. Es ist nicht nur sehr aufwändig, sondern oft auch nicht zweckdienlich, von Anfang an alles perfekt durchzuplanen.

 

Im Laufe der Zeit wirst du merken, dass du deine ursprüngliche Idee, verändern, anpassen oder erweitern musst, um dir selbst und / oder deinen Kunden besser gerecht werden zu können. Zudem wird dein Perfektionismus von deinem Umfeld wahrscheinlich gar nicht so wahrgenommen, wie du es dir erhoffst. Da wären wir wieder bei dem Gespräch, was ich mit meinem damaligen Kollegen hatte. Andere Menschen setzen andere Maßstäbe in Bezug auf Perfektionismus.

 

Daher habe ich aus all meinen Projekten gelernt, eine gute, solide und zufriedenstellende Basis zu schaffen, aber nicht zu erwarten, dass von Beginn an alles perfekt ist. Gleichzeitig habe ich oft festgestellt, dass sich viele Dinge on the fly ergeben und viel besser gestalten lassen, da man bereits ein gewisses Feedback hat und dadurch neue, bessere Ideen bekommt. Man ist bereits im Prozess drin.

 

Perfektionsmus kann dich lähmen

Desweiteren musste ich feststellen, dass mich persönlich mein eigener Perfektionismus lähmt. Im Grunde ist das recht leicht nachzuvollziehen. Ich verwende einerseits sehr viel Zeit für die letzten feinen Details, die ein anderer vermutlich gar nicht bemerken würde und ich neige dazu, an meiner Arbeit stoisch festzuhalten, eben weil sie mir so viel Energie abverlangt hat.

 

Im Business, aber auch im Privaten ist es jedoch nicht zielführend an Strukturen, die sich nicht komplett bewähren können, festzuhalten. Es ist essenziell, flexibel zu sein und zu bleiben. Sinnbildlich gesprochen sind 80 Prozent dabei flexibler als 100, denn es bleiben 20 Prozent, die man ohne größere Probleme noch anpassen kann. Wenn ich meine Arbeit und mein Tun auf 100 Prozent Perfektionismus auslege, habe ich 0 Prozent Flexibilität in der Sache. Somit müsste ich im schlimmsten Falle von vorn beginnen, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, oder ich neue Erkenntnisse habe, die eine Veränderung notwendig machen.

Entspannter läuft es besser

 

Du kannst dir also jede Menge Arbeit und Aufwand sparen, wenn du an deine Planungen etwas entspannter rangehst und den Perfektionismus zuhause lässt. Für mich gilt das sowohl im beruflichen, wie auch im privaten Bereich.

 

Der Tag hat nur 24 Stunden und da mir Schlaf recht wichtig ist, möchte ich daran nicht unbedingt sparen. Somit muss ich mit den verbleibenden Stunden so effizient wie möglich zu Recht kommen. Dabei ist es nicht immer leicht, alle Punkte, der ToDo-Liste abzuarbeiten. Aber mal ehrlich, was spricht denn dagegen, einen Punkt auf den nächsten Tag zu verschieben?

 

Ich mache nur noch selten Tageslisten. Meist habe ich eine Wochenliste, die ich je nach Motivation und anderen Arbeiten flexibel abarbeiten kann. Das nimmt mir den Stress raus, am Ende des Tages etwas nicht geschafft zu haben.

 

Nicht dringend, sondern wichtig

Wenn auch du dazu neigst, in den 1000 Aufgaben, die du dir für diesen Tag wieder aufgehalst hast, förmlich den Überblick zu verlieren, dann macht eine Kategorisierung der einzelnen Punkte Sinn. Anstatt immer den dringlichsten aber unwichtigen Punkt zu erledigen, nimmt dir lieber den wichtigen aber weniger dringenden Punkt vor.

 

Auch wenn die Regale dringend abgestaubt werden sollten, so passiert nichts Dramatisches, wenn du das noch einen Tag weiterschiebst. Ein Angebot für deinen Kunden schreiben, dass in 3 Tagen erst fertig sein muss, ist viel wichtiger. Im Idealfall kannst du es deinem Kunden bereits früher, als dieser es erwartet, zusenden.

 

Wie würdest du als Kunde darüber denken? Vielleicht so: Wow, die arbeitet ja echt schnell, so früh habe ich damit gar nicht gerechnet.

Dein Kunde ist vermutlich positiv überrascht und die Wahrscheinlichkeit einer Zusammenarbeit steigt. Was würden deine staubfreien Regale indes für dich tun? Richtig, am übernächsten Tag wieder eingestaubt sein.

 

Lieber glücklich sein als perfekt

Wenn du proaktiv dein Leben gestaltest und nicht mehr länger nur reaktiv, kannst du deine Zeit besser nutzen, die wichtigen Dinge zuerst erledigen und hast dann vermutlich auch noch Zeit, etwas für dich zu tun. Das Leben sollte nicht nur aus Arbeit bestehen, daher ist es sicher auch für dich eine Erleichterung, deine Aufgaben zu organisieren – und das alles weit entfernt von Perfektionismus.

 

Das Paradoxe daran ist, dass wir das Perfekte im Imperfekten erkennen, sobald wir aufhören, perfekt sein zu wollen. Glücklich sein ist halt doch die bessere und eine bewusste Entscheidung. 😉

 

Herz.Mut Blob - Business & Lifestyle

 

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Janine,
    ein wirklich toller Post der mich hier und da auch zum Nachdenken gebracht hat. Ich werde hier und da auch einiges ändern, gerade vor 6 Wochen habe ich mit meinem Blog angefangen. Jetzt durch die DSGVO festgestellt, dass mein Hoster so nicht passt und muss umziehen. Drama und Nervenkiller pur das Ganze und dennoch viele andere Punkte die man so nebenbei noch erledigen muss, aber dank deinem Post sehe ich das alles ein wenig anders, also vielen Dank dafür!!
    Liebe Grüße Eileen

  2. Hi Eileen,

    danke für die netten Worte. Ja die DSGVO nervt teils richtig an und schafft vermutlich für jeden kleinere und größere Probleme. Ein Hostingumzug ist dabei auch für mich eine totale Horrorvorstellung. Da ist es sicher auch sehr schwer, die Dinge mal eben easy zu sehen. Ich hoffe, dass dein Umzug gut über die Bühne geht und du keine technischen Probleme dabei auch noch lösen musst!

    Liebe Grüße
    Janine

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