Überhöhte Erwartungen Gift für schöne Momente
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Die schönsten Momente im Leben

Als ich in einem Buch über Selbsthypnose gerade an der Beantwortung des Selbstinterviews war, wurde es plötzlich ganz still in mir. Während ich durch die anderen Fragen nur so durchjagte, wusste ich auf diese eine keine spontane Antwort.

 

Es war eine dieser Fragen, die man allgemeinhin gerne unterschätzt, weil man davon ausgeht, dass es das Normalste der Welt ist, sich an das Schöne zu erinnern. Doch ist das wirklich so? Warum fällt es mir wesentlich leichter, negative Erfahrungen zu benennen und schwere Herausforderungen im Leben zu erinnern, als die einfache Frage zu beantworten:

Welche sind die schönsten Momente in deinem Leben?

 

Eine einfache Frage & zu wenig Antworten

Ich gebe es nur ungern zu, aber diese Frage hat mich zuerst sprachlos gemacht. Bevor mir dann plötzlich dämmerte, dass ich darüber tatsächlich richtig nachdenken musste. Im Geiste durchblätterte ich mein halbes Leben auf der Suche nach der handvoll schönsten Momente und war mir bis zuletzt unsicher, welche nun die schönsten Momente waren bisher.

 

Was mir dabei bewusst wurde – je länger ich mich selbst beim Nachdenken beobachtete – war, dass ich, sobald ich mich an einen schönen Moment erinnerte, zugleich auch negative Aspekte der Erinnerung unweigerlich in meinen Kopf kamen.

Bin ich deswegen ein negativer Mensch, der das Haar in der Suppe sucht? Ist es das, was die Gesellschaft aus uns allen macht: Eine, die in einem Berg von Glück, den letzten Rest an Negativem heraus kramt? Oder liegt es vielleicht nur an mir selbst? Habe ich so hohe Erwartungen an die schönsten Momente in meinem Leben, dass ich kaum in der Lage bin, einen der vielen schönen Momente in den elitären Kreis der schönsten Momente zu erheben?

 

Vermutlich ist es wie so oft. Schwarz-Weiß ist out und über die kindliche Phase von Schuldzuweisungen sowie eindimensionalem Denken sind wir längst hinaus. Es ist nicht nur das eine oder nur das andere. Alles hat seinen Einfluss auf uns und während der langen Zeit der Sozialisation in einer Gesellschaft von Individualisten werden wir selbst zu einem und übernehmen völlig normal und unbewusst die inneren ungeschriebenen Spielregeln dieser.

 

Überhöhte Erwartungen

Nicht nur in Romanen oder Filmen kann man fifty shades of grey betrachten, auch in meinem und sicher auch in deinem Leben gibt es mindestens fünfzig Graustufen zu beleuchten. Und auch wenn dem so ist, habe ich immer noch das Problem, die schönsten Momente in meinem Leben zu identifizieren, ohne dass ich mir diese durch Dinge, die nicht so perfekt waren, kaputtrede.

 

Vielleicht kennst du es auch. Du freust dich auf einen bestimmten Tag, ein Ereignis von größerer Bedeutung als andere und dieser eine Tag muss perfekt werden. Oftmals handelt es sich hierbei um den Hochzeitstag oder auch Weihnachten ist ein beliebtes Ziel überhöhter Erwartungen an uns und den schönsten Moment. Vor allem Weihnachten profitiert oftmals nicht von der Erwartung, perfekt sein zu müssen. Der hohe Druck lässt im Gegenteil meist sogar erst Recht jedes vorhandene Fass überlaufen. Je höher die Erwartungen, desto nervlich angespannter sind wir am Ende. Wie sollte es also möglich sein, diesen vermeintlich schönsten Moment emotional wirklich als besonders schön zu speichern?

 

Fokus auf das Negative

Mir ging es erst letztens so. Unser Hochzeitstag stand vor der Tür und wurde von uns groß geplant. Mit großen Erwartungen, wie perfekt alles sein würde und allem was sonst noch dazu gehört, um den Druck so richtig zu steigern. 😉 Als ich also diese Interviewfrage in meinem Buch für Selbsthypnose las, dachte ich unweigerlich an diesen besonders schönen Anlass. Doch was kam mir direkt in den Sinn? Ja klar, das was nicht perfekt lief. Und schon erwischte ich mich dabei, wie ich diesem wirklich schönen Tag das Potential für einen der schönsten Momente in meinem Leben absprach. Unfair? – Ja!

 

Anstatt an das zu denken, was den Abend so schön werden ließ, kam in meinen Kopf, dass wir zu früh waren, weil wir uns in der Zeit vertan hatten und deswegen nicht zu unserem Tisch konnten. Wir mussten also über eine Stunde warten und waren darauf keineswegs eingestellt. Durch das regnerische Wetter der Tage zuvor war der Weg zur Burg aufgeweicht und unsere Schuhe waren dementsprechend dreckig. Die Entscheidung, noch kurz spazieren zu gehen, war folglich nicht die beste. Zudem war es kalt und ich war nicht allzu passend angezogen. Ich und frieren – keine gute Kombination! Die berühmt berüchtigten Schwangerschaftshormone taten ihr übriges. Alles in allem war ich auch schon mal besser gelaunt. 😉

 

Dass der restliche Abend total gelungen und wirklich wunderschön war, kam mir derweil nicht in den Sinn. Ich stürzte mich gedanklich auf diesen kleinen Aspekt und ließ ihn die schöne Erinnerung dominieren. Und das obwohl wir erst halb 6 am Morgen schlafen gingen, weil alles einfach nur genial war.

 

Die schönsten Momente im Leben machen wir selbst

Ich denke, ich habe meine Lektion gelernt. Die Schuhe waren etwas dreckig wegen dem schlechten Wetter der Vortage? Wen interessiert es? Warum sollte dieser im Grunde völlig irrelevante Aspekt wichtiger sein, als mehrere tolle Stunden voller Spaß und guter Laune? Dafür gibt es keine vernünftige Erklärung, außer die eine (unvernünftige): Du hast zu hohe Erwartungen und bist mal wieder in die Falle des eigenen Perfektionismus getappt.

 

Ich möchte in Zukunft auf jeden Fall mehr darauf achten, dass ich mir nicht selbst meine schönsten Momente im Leben mit übertriebenen Erwartungen kaputt mache. Vielleicht schaffe ich es sogar, das Perfekte im Unperfekten zu finden und damit glücklich zu sein.

the perfect imperfection

Herz.Mut Blob - Business & Lifestyle

 

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