Selbstständigkeit als Girlboss like a boss in die Selbstverwirklichung
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Selbstständigkeit im Home Office

„Ich arbeite von Zuhause aus.“ Ein etwas irritiertes Gesicht blickt mich an und weiß offenbar nicht so recht, was es mit dieser Information nun anfangen soll. – Wie jetzt von zuhause aus… Ist die jetzt arbeitslos oder nicht? – fragt sich mein Gegenüber vermutlich. So oder so ähnlich läuft es meistens ab, wenn ich nach meinem Beruf oder meiner Arbeit gefragt werde.

 

Ich hatte mir früher nie so viele Gedanken darüber gemacht, aber seit ich diese Situation öfter erlebe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Für die meisten von uns ist man nur arbeitend, wenn man dies in einem abhängigen Angestelltenverhältnis tut. Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob und wie viel Geld man in seiner Selbstständigkeit verdient. Man ist nicht angestellt.

 

Aus dieser Vorstellung von Arbeitstätigkeit heraus, ergibt es sich zwangsläufig, dass du als selbstständige Frau für andere gefühlt nicht klassischerweise zur arbeitenden Bevölkerung gezählt wirst. Inzwischen habe ich schon meinen Standardtext, den ich erzähle, wenn ich mal wieder nach meiner Arbeit gefragt werde. Wenn ich fertig bin, sieht mein Gesprächspartner auch wieder zufriedener aus, denn nun hat er eine passende Schulblade für mich gefunden. – Ah, sie arbeitet selbstständig. –

 

Es ist völlig normal, dass wir unser Gegenüber einordnen wollen. Die Psychologie geht davon aus, dass es Personen sogar in Krisen stürzen kann, wenn sie andere Personen nicht kategorisieren können. So ist dies wohl ein Relikt aus ganz frühen Zeiten, wo das Einschätzen eines Gegenübers noch überlebenswichtig war. Und auch heute hilft es uns in allen möglichen Lebenslagen. In meinem Studium hatten wir damals ein Experiment dazu gemacht. Irre, wie es verunsichert, wenn man nicht weiß, ob ein anderer Mensch ein Mann oder eine Frau ist. Bereits da wurde mir bewusst, wie viel Struktur und Sicherheit „Schubladen“ geben.

 

Mehr Arbeit aber auch mehr Freude und Freiheit

Aber wie ist das nun in der Selbstständigkeit? Natürlich hat man auch mit Ängsten zu kämpfen, das ist ganz normal. Die meiste Zeit ist es aber sehr angenehm. Ich habe die Möglichkeit, mir meine Zeit, Termine und Arbeit komplett frei selbst einzuteilen. Kein Chef, der Erwartungen hat und auch keine anderen Abteilungen, nach denen ich mich richten muss.

 

Nach meinen Erfahrungen aus der angestellten Arbeitswelt genieße ich es heute, mich nicht ständig nach anderen richten und denen in irgendeiner Weise gerecht werden zu müssen.

 

Selbstständigkeit macht in gewisser Weise frei. Mein Arbeitspensum teile ich mir selbst ein, wodurch ich auch meine privaten Termine super in meinen Arbeitsalltag integrieren kann. Als ich noch bis mindestens 16 Uhr im Büro saß, war es oft ein großer Drahtseilakt, Banktermine, Arzttermine oder andere private Dinge während der Öffnungszeiten der einzelnen Institutionen einzufädeln. Das Resultat waren oft lange Wartezeiten auf einen passenden Termin. Jetzt kann ich auch die 9:30 Uhr Termine nehmen und bekomme dadurch meist mega schnell Termine. Das ist wirklich sehr praktisch.

Fast alles wird leichter

 

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Trotz all dem Guten gibt es auch weniger Optimales in der Selbstständigkeit. Leute, die mich näher kennen und die mich auch zu meiner Arbeit fragen, wundern sich manchmal, ob ich denn wirklich besser dran bin mit der Selbstständigkeit. Ihnen entgeht es nicht, dass ich heute inhaltlich und auch quantitativ mehr arbeite als in meinem einstigen Bürojob. Ja, ich arbeite wirklich mehr und oft auch länger. Es ist nicht unüblich, dass ich abends um sieben nochmal am Laptop sitze und etwas zu ende schreibe oder bearbeite. Gern mache ich zu den späteren Stunden auch Homepagekosmetik. Das ist für mich schon fast wie Meditation und dabei darf ich auf keinen Fall gestört werden. 😉

 

Selbst und ständig in der Selbstständigkeit

An manchen Abenden fühle ich mich aber auch richtig ausgelaugt, weil ich den ganzen Tag geschrieben und oder anstrengende Recherchearbeit oder etwas anderes Wichtiges getan habe. Aber weißt du was? Es ist durch und durch befriedigend. Nicht weil es immer super tolle Aufgaben sind, die ich schon immer machen wollte. Nein das leider wirklich nicht. Nicht selten drücke ich mich einige Zeit vor Aufgaben, weil ich sie gar nicht spannend finde, aber machen muss ich sie am Ende doch. Ne, meine Arbeit ist deswegen so positiv für mich, weil ich sie für mich und für sonst niemanden erledige. Jeden Termindruck, jeden Perfektionismus, jede Überarbeitung tu ich mir selbst an und zwar für mich selbst. Jedes Lob und jede Anerkennung habe ich mir höchstpersönlich mit viel Mühe, Zeit und Schweiß erarbeitet. Kein Chef stellt sich am Ende hin und tut so, als sei es sein Werk, nur weil er irgendwann mal zu mir sagte: Das muss jetzt fertig werden.

Es ist meins, mit allem Guten und allem Schlechten. Aber es ist meins!

 

In der Selbstständigkeit mutiere ich zu einem richtigen Workaholic. Das Arbeiten macht Spaß und du weißt, wofür du es machst und warum du so viel arbeitest. Mit jedem Tag kommst du deinem Plan / Ziel (du solltest auf jeden Fall Ziele definieren) ein Stück näher und das fühlt sich gut an. Oft ergibt es sich bei mir aus dem Arbeiten selbst, dass ich plötzlich neue Ideen habe und das Konzept erweitere. Das ist auch nötig, denn noch vor dem ersten praktischen Handgriff das Konzept perfekt fertig haben zu wollen, ist das Schlimmste, was du dir zumuten kannst.

 

Alles braucht seine Zeit, das ist in der Selbstständigkeit nicht anders. Vor allem, dass ich das sage, wirkt schon etwas witzig, denn ich bin die Ungeduld in Person. Dennoch musste ich lernen, alles Schritt für Schritt aufzubauen. Alles andere überfordert und hat meist zum Ergebnis, dass man aufgibt, bevor man gestartet ist.

 

Selbstständigkeit hat auch Nachteile

Während ich völlig geistesabwesend seit Stunden in mein Tun verkopft bin, dreht sich die Welt um mich herum weiter. Spätestens, wenn dein Mann plötzlich „nervt“ und Aufmerksamkeit will, weißt du, es ist Zeit aufzuhören. Familienzeit muss auch sein. Mein Liebster muss mich teilweise schon fast mit purer Gewalt von meinem Laptop wegzerren, damit ich endlich aufhöre zu arbeiten. 😉

 

Im Büro ist mir das nie passiert. *lach* Da saß ich Punkt 16 Uhr auf gepackter Tasche und hatte den Chip zum Ausstempeln schon in der Hand. Nichts wie nach Hause und endlich Ruhe! Ja, die Selbstständigkeit verändert einen.

 

Doch neben Ehemännern, die sich über Nacht plötzlich völlig vernachlässigt fühlen, gibt es in meinen Augen noch einen weiteren ernsten Nachteil.

 

Von der ganzen Bürokratie, die mit der Selbstständigkeit einhergeht, mal abgesehen, sehe ich das schwankende Einkommen (zu Beginn nicht selten gar kein Einkommen!) als größten Nachteil. Da jede von uns Zahlungsverpflichtungen hat, ist es schwierig, den Schritt in die komplette Selbstständigkeit von Anfang an zu gehen. Wer seine Selbstständigkeit als Nebengewerbe aufbauen kann und sich dann in die komplette Selbstständigkeit begibt, sobald das Geschäft monatliche Einkünfte bringt, ist hier sicher finanziell im Vorteil.

 

Die Selbstständigkeit und das liebe Geld

Alle anderen, die durch die Umstände oder welche Gründe auch immer sofort in die volle Selbstständigkeit gehen, werden sich vor allem zu Beginn dem Problem der Finanzierung des Lebensunterhalts (Miete, Kredite, Lebensmittel, Dinge des täglichen Bedarfs usw.) gegenüber sehen. Ich wünschte, ich hätte an dieser Stelle einen Geheimtipp parat, wie man es sorgenfrei durch diese Phase schafft. Es gibt nur leider keinen. (Oder ich kenne ihn nicht.)

Es gibt keine Abkürzung

 

In der Vergangenheit habe ich es bei einer Bekannten, die damals auch von 0 auf 100 in die Selbstständigkeit gegangen ist, gesehen. Ohne die Unterstützung (auch finanziell) durch Ihren Mann hätte sie keine Chance gehabt. Sie wäre in dieser ersten Phase stecken geblieben und hätte aufgeben müssen, weil das Geld ausging bzw. nicht genug reinkam.

 

Heute ist sie so erfolgreich, dass man Monate im Voraus Termine mit ihr vereinbaren muss, weil sie inzwischen beruflich die ganze Welt bereist. Das finde ich vor allem deswegen so beeindruckend, weil ich in ihrem zweiten Jahr mit ihr zusammen gearbeitet hatte und mich gut erinnern kann, wie wir im Umkreis von 100 Kilometern Klinken geputzt haben. Für diesen grandiosen Erfolg hat sie ca. 4 Jahre und die finanzielle Unterstützung ihres Mannes gebraucht. Aber sie hat es geschafft und sich etwas aufgebaut, womit wir zu Beginn niemals gerechnet hätten!

No one said it was easy

 

Warum ich meine Selbstständigkeit dennoch liebe

Auch wenn ich an manchen Tagen ein schlechtes Gewissen habe, weil ich meinem Mann mit meiner Selbstständigkeit auf der Tasche liege, so liebe ich sie dennoch sehr. Ich habe mich noch nie so frei gefühlt. Gleichzeitig habe ich noch nie so gern gearbeitet, wie ich es heute tu. Die Vorteile überwiegen in meinen Augen gegenüber den Nachteilen. Jedenfalls, wenn man so einen tollen Mann hat wie ich, der voll hinter mir steht und mich in so vielem unterstützt, wo ich sonst hoffnungslos landunter wäre.

 

Deswegen das Wort zum Schluss: Nimm auch mal Hilfe an. Versuch nicht der Einzelkämpfer in jeder Situation zu sein.

 

 

In diesem Sinne, lass mir gern einen Kommentar da, wenn du ähnliche Erfahrungen gemacht hast, oder Ideen, wie man sich als Frau noch besser behaupten kann. 😉

 

 

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4 Kommentare

    • Hi Pia,
      danke für die Blumen. 😉 Ich denke, jede von uns, die sich auf eigene Beine stellt, wird sich in so einer (ähnlichen) Situation wieder finden. Darum finde ich Durchhalten und ein dickes Fell auch so wichtig.

      Liebe Grüße
      Janine

  1. Ich denke auch, dass man das differenziert sehen muss – ich arbeite lieber mehr an etwas, was mich happy macht als an etwas, was mir viel Geld bringt… Selbständigkeit ist nicht für jeden was, aber es kann einem eben helfen, aus dem Hamsterrad rauszukommen! LG Anke

    • Genau so sehe ich das auch. Glück kann man mit Geld nicht kaufen. Die eigenen Prioritäten hinterfragen, hat mir einst sehr gut getan und viel gebracht. Kann es nur empfehlen. Ob die Selbstständigkeit was ist, muss dabei jeder für sich wissen. Danke für deine Meinung.
      Liebe Grüße zurück Janine

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